Über die Stabilität von Krisen und das Symbol Euro

Zweifel an der Eurostabilität wird spürbar

Zweifel an der Eurostabilität wird spürbar

Ein bisschen lässt es schon wundern – ganz ehrlich gesagt: mitten in all den krisenhaften Zuständen, der Verunsicherung und den Unwägbarkeiten, die die Euro-Währungspolitik der EU im Moment begleiten, darf nun plötzlich ein weiteres EU-Mitgliedsland, nämlich Estland, der hochgelobten, so viel Frieden, Wohlstand und Prosperität versprechenden europäischen Währung teilhaftig werden. Wobei ein kurzer Seitenblick auf Mitgliedsstaaten wie Griechenland, Irland oder Portugal nun doch zeigt, dass der Euro diese Versprechen wohl doch nicht immer und von selbst hält.

Den Euro als Symbol für Wohlstand, Stabilität und wirtschaftliche Prosperität hinzustellen, wie das Olli Rehn, der derzeitig amtierende EU-Währungskommisar so voll heiligem Eifer tut, mutet schon fast ein bisschen wie Hohn an – angesichts der notwendigen, dramatischen finanziellen Rettungsaktionen für wacklige EU-Länder wie Griechenland und Irland. Denen hat nämlich die Euro-Einführung offensichtlich keinesfalls Stabilität und Wohlstand beschert – eher wohl im Gegenteil, wenn jetzt Zuschüsse in zweistelliger Milliardenhöhe nötig werden, um die Wirtschaft in den betroffenen Ländern überhaupt noch am Laufen zu halten. Drohend schwebt nämlich auch – von vielen nicht so deutlich wahrgenommen – die Abwertung des Euro und die Instabilisierung der gesamten europäischen Wirtschaft über den Häuptern der Unionsstaaten, sollten noch mehr Staaten ihre wacklige Haushaltspolitik nicht mehr in den Griff bekommen. Und für diese Liste gibt es durchaus einige Kandidaten, die dahin gehend zu Befürchtungen größten Anlass geben. Bevor die Krise zur einzigen noch verbliebenen Stabilität europäischer Währungspolitik wird.

Die Euro-Krise ist also noch lange nicht überstanden – Damokles‘ Schwert schwebt immer noch schweigend aber deutlich sichtbar über der Euro-Stabilität und damit der gesamten europäischen Wirtschaft. Und der Raum für solche vollmundigen Versprechungen von Wohlstand und Stabilität ist da ganz sicher im Moment sehr verfehlt.

Zu den vehementen Befürwortern von Estlands Beitritt zur Europäischen Währungsunion gehörte unter anderem auch Angela Merkel – weniger aus finanztechnischen Gründen, als um zu betonen, wie wichtig Europa und die Europäische Währungsunion für Deutschland wären. Wobei schon eher scheint, dass sie sich mit dieser deutlichen Stellungnahme von dem – während der Debatten um die Finanzhilfen für Griechenland und Irland ergangenen – Vorwurf reinwaschen wollte, sie würde sich zu wenig für die europäische Idee einsetzen. Solches steht einer Bundeskanzlerin eines europäischen Mitgliedsstaates nun eben nicht gut an – obwohl sie damit in diesem geeinten Europa wohl beileibe nicht die Einzige ist. Neben der „europäischen Idee“, von der die Politik der Mitgliedsstaaten getragen sein sollte, stehen nämlich auch ganz naturgemäß auch nationale Interessen im Raum, die beachtet werden müssen. Die „europäische Idee“ ist allein wohl kaum ein Garant für eine funktionierende Wirtschaft in den Mitgliedsstaaten – auch wenn EU-Währungskommissar Rehn das so behaupten mag.

Estland ist zumindest ein Teilnehmer mit einer sehr stabilen Haushaltspolitik – und äußerst geringer Auslandsverschuldung im Vergleich zu vielen anderen Staaten Europas. Wenigstens im Moment also mal weit davon entfernt, ein Kandidat für die Liste der in absehbarer Zeit Krisenhilfe benötigenden Mitgliedsstaaten zu werden. Mag die Euro-Einführung zukünftig also Estland mit Wohlstand und Prosperität überschütten oder nicht: Nach den Festivitäten zur Währungsumstellung ist auf jeden Fall wieder harte, solide Arbeit angesagt. Denn für einen ausgeglichenen Haushalt und die wirtschaftliche Entwicklung im Land sind die Mitgliedsstaaten immer noch in hohem Maße selbst verantwortlich – und selbst gefordert. Trotz aller europäischen Ideen.
Flickr @ Public Domain Photos

Der Markt schläft nicht! Und Sie?

Bestellen Sie unseren kostenlosen Newsletter und erfahren Sie immer das Neuste und Wichtigste aus den Bereichen Aktien, Börsen, Broker und vieles mehr!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ab 3,99€ pro Order

für 6 Monate

  • Wertpapierdepot ohne Grundgebühren
  • handeln ab 3,99€ pro Order für 6 Monate
  • strukturierte Produkte ab 2,50€ pro Order handeln
  • zahlreiche kostenlose ETF-Sparpläne
Sind Sie bereits unser Fan auf Facebook?Jetzt Fan bei Facebook werden

Moment bitte!
Nichts mehr verpassen!

Sind Sie bereits unser Fan auf Facebook?

Erhalten Sie Neuigkeiten und Hintergrundwissen rund um das Thema Börse sowie tiefe Einblicke in die Welt der Trader. Unabhängige Testberichte, Analysen, Videos und vieles mehr.

Popup

Ja, ich will unbedingt ein FAN werden!