Flassbeck kontert Befürchtungen über den Fehlschlag des Euro-Experiments

Europäische Währung - wirklich zum Scheitern verurteilt oder einzig richtige Weg?

Heiner Flassbeck, seines Zeichens Chefökonom der UNTAD in Genf, der UN-Organisation für Welthandel und Entwicklung, anerkannter Buch-Autor und ehemaliger Berater von Oskar Lafontaine, wirft allen jenen, die bereits leise Befürchtungen zu äußern beginnen, das „Euro-Experiment“ sei möglicherweise ein gigantischer Fehlschlag geworden, via WOZ gerade eben recht deutliche Worte ins Gesicht.

Die derzeitige Euro-Krise lässt ja grundsätzlich den Schluss schon zu, dass es ganz einfach nicht möglich ist, und darüber hinaus auch noch unsinnig und destruktiv, vollkommen voneinander verschiedene Volkswirtschaften mit sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklungen mit einer einheitlichen Währung steuern zu wollen. So ganz von der Hand zu weisen ist eine solche Überlegung angesichts der derzeitigen Lage im Euro-Raum ja nicht.

Flassbeck argumentiert hingegen anders: Vor der Europäischen Währungsunion seien viele europäische Länder nur einseitig von der deutschen Geldpolitik abhängig gewesen – ohne Einfluss ausüben zu können. Im Rahmen einer gemeinsamen europäischen Währung hätten diese Mitgliedsländer im Gegensatz dazu nun aber Einfluss auf die europäische Geldpolitik. Die „Abhängigkeit“ sei also nur eine scheinbare – sie hätte vorher ebenso bestanden, nun bestünde wenigstens die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen. Der Schritt hin zu einer gemeinsamen europäischen Währung sei also der einzig richtige und vernünftige gewesen, betont Flassbeck. Es stellt sich nun eben nur die Frage, ob eine völlige geldpolitische Autonomie für ebendiese Länder, die vor der Europäischen Währungsunion so einseitig von der deutschen Geldpolitik abhängig gewesen waren, nicht vorteilhafter gewesen wäre. Konsequent gedacht hätte eine solche Autonomie einzelner Länder ja viele der krisenhaften Zustände, die jetzt gerade im Euro-Land herrschen möglicherweise verhindern können.

Flassbeck verneint das Argument mit dem Hinweis darauf, dass es bei offenen Grenzen für Güter und Kapital faktisch keine wirkliche Autonomie in der Geldpolitik geben kann – weil die Notenbanken zwar formal gesehen unabhängig wären – es sich aber keine Notenbank der Welt erlauben könne, ihre Währung einfach den Märkten zu überlassen. Mit einem Hinweis auf den Schweizer Franken in den letzten Monaten betont Flassbeck, das wäre wohl das Ende jeder vernünftigen Wirtschaftspolitik. Auch diese Argumentation macht nachdenklich, auch wenn man den Hinweis auf die Schweizer Volkswirtschaft erst einmal beiseitelässt, wo die Dinge ja so deutlich dann doch möglicherweise nicht sind.

Für Flassbeck gibt es allerdings keine wie auch immer unabhängige Geldpolitik kleiner offener Volkswirtschaften – ohne Störungen von außen gehe es eben nicht, weil die Spekulation mit Zinsdifferenzen nun eben die führende Kraft auf den Devisenmärkten darstellt, und bei flexiblen Wechselkursen könne diese Unabhängigkeit in der Geldpolitik immer nur eine Fiktion sein, meint Flassbeck.

Es läuft also darauf hinaus, dass die scheinbare „Alternative“, nämlich dass sämtliche europäischen Volkswirtschaften ihre Unabhängigkeit in ihrer nationalen Geldpolitik behalten hätten, anstatt sich zur Europäischen Währungsunion zusammen zu schließen, nur eine scheinbare Alternative gewesen wäre, weil es ebendiese Unabhängigkeit gar nicht geben kann, und schon gar nicht in einem europäischen Wirtschaftsraum ohne Grenzen für Kapital und Güter, allein schon nicht aufgrund der Dominanz und Einflussnahme der von Spekulationen bewegten Devisenmärkte. So einleuchtend diese Argumentation auch klingt, produziert die Überlegung dahinter doch eine Menge Was-wäre-Wenn-Szenarios. Es wird also vermutlich keiner Seite in der nächsten Zeit wirklich gelingen, die andere von ihrer Meinung zu überzeugen, soviel scheint im Moment klar zu sein.

Und Flassbecks Lösungsansatz, der massive, notfalls durch staatlichen Eingriff herbeigeführte Lohnerhöhungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt mit einschließt, wird aller Voraussicht nach dann wohl noch sehr viel mehr Kontroversen hervorbringen.
Bildquelle: Low400©/Pixelio

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