Chiles Kampf gegen „Hot Money“

Kampf gegen den Hot Money

Turbulent geht es derzeit auch in der chilenischen Finanzpolitik zu. Anders als China, wo eine Aufwertung des Yuan in Finanzkreisen praktisch schon als geschlossene Sache gilt, hat Chile mit dem genau gegenteiligen Problem zu kämpfen: Momentan wird versucht, mit allen Mitteln eine Aufwertung des Peso zu verhindern. Jedenfalls mit voraussichtlich einigem Erfolg – allein die Ankündigung einer der größten Devisenmarkt-Interventionen der chilenischen Geschichte führte danach fast sofort zu einer mehr als vierprozentigen Abwertung des Peso gegenüber dem US-Dollar, wie der Chef der chilenischen Notenbank in Santiago de Chile, Jose de Gregorio mit einem doch deutlich merkbaren, leichten Aufatmen verkündet. Aber auch auf den internationalen Finanzmärkten wird die Entwicklung in Chile mit leichter Besorgnis gesehen – spielt Chile doch als weltgrößter Kupferproduzent eine wesentliche Rolle in der gesamten Weltwirtschaft.

Das sich ansonsten in einem wirtschaftlichen Aufschwung befindliche südamerikanische Land stemmt sich im Moment gegen eine Dollarflut, die die inländische Wirtschaft zu überschwemmen droht. Viele westliche Länder – allen voran die USA – haben gerade in den letzten Jahren die Möglichkeit weitaus besser verzinster Kapitalanlagen in wirtschaftlich schwächeren Ländern entdeckt. Der massive Kapitalzufluss dieses „Hot Money“, wie Finanzexperten es bezeichnen, führt über die Erhöhung der Wechselkurse dann zu ernst zu nehmenden Problemen für die regionale Wirtschaft und nicht zuletzt der großen Export-Unternehmen.

Bereits vor der Wirtschaftskrise war es für die chilenische Notenbank schon einmal notwendig, große Mengen ausländischer Devisen aufzukaufen, um die eigene Währung zu schwächen, und den sich anbahnenden Problemen zu begegnen. Auch im aktuellen Programm will die Regierung in Chile bis Jahresende insgesamt 12 Mrd. US-Dollar aufkaufen, um den Peso abzuwerten, und die Exportunternehmen, wie etwa den Industriegiganten Copec damit zu entlasten, die die Aufwertung bereits mit Sorge betrachten, so Finanzminister Felipe Larrain.

Daneben gibt es aber auch einige andere Stimmen, die die Ursache der Aufwertung primär nicht dem Zufluss des „Hot Money“ sehen, sondern vor allem in den allgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Chile. Das extrem hohe Wirtschaftswachstum der letzten Jahre, kaum Arbeitslosigkeit und eine Gesamtverschuldung von sogar noch unter 9% würden von allein schon zu einer Erhöhung des Peso führen. Ganz von der Hand zu weisen ist das natürlich nicht, und die Konjunkturdaten Chiles tragen neben dem „Hot Money“ im Land ganz bestimmt auch ihren Teil bei, dem stimmen auch die meisten Finanzexperten zu. Dennoch sind die Gegenmaßnahmen in jedem Fall unbedingt notwendig – die Auswirkungen auf die Wirtschaft wären sonst mittelfristig durchaus drastisch. Zumindest sind sich aber alle einig, dass die geplante Gegenstrategie in jedem Fall Wirkung zeigen wird – und auf längere Sicht wahrscheinlich sogar das Wirtschaftswachstum im Land nachhaltig stabilisieren könnte. Unter den lateinamerikanischen Staaten gilt Chile als Musterschüler, was die wirtschaftliche Entwicklung betrifft – nicht zuletzt auch wegen der hohen Fähigkeit seiner (finanz)politischen Führung. Auch andere südamerikanische Länder wie Brasilien und Kolumbien haben derzeit gegen die Aufwertung ihrer Währungen zu kämpfen – allerdings sehen die Konjunkturdaten dort immer noch sehr viel anders aus als in Chile, und auch Argentinien ist bereits hinter der Entwicklung in Chile weit zurückgefallen. „Krisen sind da, um gemeistert zu werden“, sagt ein altes chinesisches Sprichwort. Und manchmal können Krisen am Ende sogar noch positive Wirkungen haben. Wie vielleicht diesem Fall.

Bildquelle: Gerd Altmann/pixelio

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